Письмо поддержки студентов-социологов из Университета Билефельд, Германия

Солидарность в борьбе за качественное образование выразили в своем письме студенты-социологи из Университета Билефельд, которые полностью поддерживают наши требования и находят претензии к администрации факультета обоснованными. Несмотря на то, что проблемы с образованием немецким студентам также не чужды, они оценивают сложившуюся ситуацию как неприемлемую и недопустимую.

Трудно представить, что широкий спектр теоретических направлений и концепций преподается студентам-социологам Московского Университета по одному учебнику декана Добренькова В.И., при этом на факультете нет библиотеки, в то время как у студентов должен быть свободный доступ к различным источникам. Немецкие коллеги объясняют замкнутость и авторитарный характер системы, отсутствие внешних преподавателей и именитых социологов страхом администрации перед тем, что компетентность внутренних факультетских лекторов и семинаристов может быть поставлена под вопрос. Однако авторитарная политика и вмешательство со стороны администрации в научный процесс приводят к негативным результатам: к увольнению и уходу признанных социологов, подавлению личной инициативы и неспособности студентов мыслить самостоятельно, коррупции и тотальному контролю, распространению квазинаучных теорий и снижению планки образования.

По мнению немецких студентов, коррупция и закрытость не только мешают научному процессу, но и позволяют администрации производить всевозможные манипуляции. Примером тому могут послужить распространение заговорщических теорий, клерикалистской и националистической пропаганды. Такая генерация знаний приводит к бесчисленному повторению доктрин, соответствующих ожиданиям и требованиям господствующего дискурса. Объяснимо и то, что отклоняющиеся от доминирующего дискурса высказывания, являются не желаемыми и недопустимыми в стенах факультета, который постепенно становится инструментом господствующего дискурса и воспроизводит таким образом себя. Эту логику подтверждают название кафедры «Социология безопасности» и «научная» поддержка деканом смертной казни. Наука смешивается с пропагандой.

В результате студенты не участвуют в дискуссиях с внешними коллегами, не получают необходимой информации, которая способствует самостоятельному мышлению и выработке альтернативных решений. Новые идеи в такой обстановке не продуцируются.

Видеонаблюдение, система охраны и милиция свидетельствуют о применении силовых, дисциплинирующих методов, превращающих факультет в крепость или тюрьму. Все это является признаком недоверия к студентам и интерпретируются администрацией следующим образом: «Это для вашей безопасности».

В таком контексте совсем неудивительно, что социологический факультет стал местом антисемитских, сектантских, клерикалистских, националистических господствующих идей и заговорщических теорий. При этом студенты, администрация и все молчаливые наблюдатели несут ответственность за все происходящее. Студенты должны для себя уяснить, какую роль они хотят играть: роль людей, желающих обслуживать квазинауку, политику и экономику, либо людей, самостоятельно формирующих научный процесс и определяющих свою жизнь.


Unterstützungsschreiben an die Studierenden der Soziologie Fakultät der Moskauer Staatsuniversität

Euer Brief von den Vorkommnissen an der Soziologie Fakultät der Moskauer Staatsuniversität ist auch bei uns angekommen. Die Situation scheint uns höchst alarmierend zu sein. Wir sind uns darüber im Klaren, dass eurer Probleme tief in den Ausbildungsstrukturen und Prozessen verankert und uns insofern auch nicht gänzlich unbekannt sind. Wir verfassen diesen Text in solidarischer Absicht um euch zu unterstützen.

Wir sehen uns insofern davon betroffen, als wir uns als internationale WissenschaftlerInnen und Studierende verstehen. Wissenschaft kennt keine Grenzen, egal was die Bürokraten darüber sagen und denken. Der Versuch sie einzumauern widerspricht den Ideen einer sich frei entwickelnden Wissenschaft.

Anmerkungen zur Rolle des Wissens im Ausbildungsprozess

Im Wissensgenerierungsprozess geht es um den Erwerb eigenen Wissens um damit eine Möglichkeit für eine ernsthafte Diskussion zu schaffen. Der freie Zugriff auf alle möglichen Quellen ist dafür Voraussetzung. Es ist unvorstellbar ein breites Spektrum an verschiedenen theoretischen Perspektiven aus einem einzigen Lehrbuch herauszulesen, was ihr als Normalzustand in eurer Fakultät beklagt. Gerade deswegen ist es nicht einzusehen, dass die Administration keine fakultätseigene Bibliothek eingerichtet hat. So ist es kein Wunder, dass ihr von den inhaltslosen Veranstaltungen gequält werdet.

Ihr habt berichtet, dass es in letzter Zeit keine Veranstaltungen mit externen Lehrkräften gegeben hat. Diese Geschlossenheit wirkt so als ob es seitens der dafür Verantwortlichen Angst gibt, eigene Kompetenzen unter Beweis zu stellen und euch vor den „gefährlichen“ weil unkontrollierten Inhalten von außen zu „schützen“. Autoritäre politische sowie administrative Eingriffe in wissenschaftliche Prozesse haben Konformität und Unfruchtbarkeit zur Folge. Es stellt sich die Frage, was für ein Klima es in der Fakultät herrscht, dass so viele anerkannte Soziologen weg gegangen und entlassen worden sind. Es wäre interessant die Meinung der russischen Soziologen über die fachlichen Kompetenzen der Fakultätsleitung zu hören.

Instrumentalisierung von Forschung und Lehre

Korruption im weitesten Sinne, Geschlossenheit und administrativer Druck machen es nicht nur möglich den wissenschaftlichen Prozess zu stören, sondern auch das Ganze so zu manipulieren, dass jede wahnsinnige Idee als unhinterfragbare Doktrin dargestellt wird, sobald sie aus dem Lager von Privilegierten stammt. Wie das Beispiel der Verbreitung von Verschwörungstheorien und klerikaler wie nationalistischer Propaganda seitens Administration zeigt. In einer solchen, von euch erwähnten Broschüre, wurden sogar Zitate aus „den Protokollen der Weisen von Zion“ als eine aktuelle politische Lageanalyse eingesetzt. In dem Zusammenhang sollte man sich wieder fragen, wie weit die Kompetenzen der Lehrkräfte sich erstrecken, wenn sie aus der Menge von unzähligen Verschwörungstheorien gerade so eine altmodische, längst belächelte Variante, die den selbst den Kompost der rechtsextremen Wahnsinns bildet, ausgewählt haben.

In einem so organisierten Wissenschaftsbetrieb kommt es in den Veranstaltungen nur zu zahllosen Wiederholungen der ausgegebenen Doktrinen, deren Inhalt von dem herrschenden Diskurs möglichst minimal abweichen darf und vielleicht sogar administrativ bestätigt werden muss. Eure Berichte zeigen auch, dass die Äußerungen von eigenen Meinungen nicht nur unerwünscht ist, sondern negativ sanktioniert werden. Das ist absurd für eine Institution die sich wissenschaftlich weiterentwickeln will!

Ein Kreislauf der Verblödung

All das hat zur Folge, dass Studenten und ihre Meinungen nicht ernst genommen und Lehrprozesse verschult werden, wie es eure Professoren bestimmt noch aus ihrer Studentenzeit kennen. So wird euch auch die Grundlage genommen euren eigenen Ausbildungsprozess zu bewerten. Man kann sich selber kein Urteil bilden, wenn es einem an Vergleichsmöglichkeiten fehlt. Man lernt so nur stillschweigend den herrschenden Konsens zu absorbieren und nicht wozu eine eigene freie Meinung nützlich sein kann.

So bildet sich ein Kreislauf, der sich immer wieder reproduziert. Den Studenten fehlen Informationen, die zur bewussten Meinungsbildung notwendig sind. Die Diskussion in der Fakultät wie auch mit der externen Kollegen fehlt. Der Lehrprozess kann dadurch reibungs- und widerstandslos instrumentalisiert werden. Neue Ideen und Meinungen kommen nicht zum Ausdruck. Und um diesen Zustand und die von Oben angebotene Doktrinen zu analysieren fehlen wiederum die Informationen.

Uns ist dabei durchaus bewusst, dass in deutschen Universitäten derartige oder ähnliche Mechanismen auch wirken. Hier genauso wie bei euch wird diesen Tendenzen mit mehr oder weniger großen Erfolg entgegengewirkt. Deswegen sind uns eure Probleme und Bestrebungen gar nicht so fremd, wie es aus der Entfernung scheinen mag.

Studierende als Disziplinierungsobjekt

Videoüberwachung und Einsatz von Sicherheitskräften und sogar Miliz auf dem Fakultätsgelände sind materieller Ausdruck der Machtverhältnisse und Disziplinierungsmethoden, die ihr als Soziologen durchaus erkennen solltet. Sie zeigen nicht nur die räumliche Einschließung von Wissenszugängen und das Streben nach Kontrolle und Sicherung der heutigen Zustände seitens der Administration, sondern auch die Angst das Korruption und Inkompetenz offen gezeigt werden. Diese Maßnahmen sind Ausdruck des Missvertrauens gegenüber der eigenen Studierendenschaft. Selbstverständlich ist nicht einfach dagegen anzukämpfen. Aber es muss für die Studierenden immer klar sein, dass das kein Normalzustand sein darf, wenn die Fakultät wie eine Festung nach außen und ein Gefängnis nach innen wirkt. Lässt euch nicht von den Sprüchen wie „das ist für eure Sicherheit“ und „überall ist es schon so“ irritieren.

Entpolisierte Soziologie gibt es nicht

Die Soziologie hat schon immer den Anspruch gehabt eine wissenschaftliche Selbstreflexion für die Gesellschaft anzubieten, sie kritisch zu betrachten mit dem Ziel im Endeffekt eine würdige Alternative vorzustellen und nicht einfach herrschenden Diskurse zu bedienen. An dieser Stelle lässt sich als negatives Beispiel Robert Michels nennen, der für italienischen Faschisten in ihrer Ideologie und Propaganda gearbeitet und sogar ein Lehrstuhl von ihnen bekommen hat. Er hat Paretos Eliten-Soziologie in einer reaktionären Weise aufgegriffen. Man müsste in diesem Fall die Frage stellen – warum ihnen seine Theorie so gut gepasst hat. Um andere Beispiele zu nennen: die Kritische Theorie der Frankfurter Schule, die zu den Klassikern der Soziologie gehört, hat einen deutlichen politischen Anspruch. Auch modernere Soziologen wie Pierre Bourdieu, Michel Foucault, Bruno Latoure und andere wollen nicht so ganz unpolitisch erscheinen. Gender Studies, Entwicklungssoziologie und z.B. Cultural Studies sind ganze Bereiche, die aus emanzipatorischen politischen Kontexten entstanden sind. Insofern ist die Soziologie nicht trennbar von der Politik, was man so oft übersehen oder sogar bewusst leugnen will.

Wissenschaftliche wie auch administrative Korruption führt dazu, dass die Fakultät zu einem Mittel wird den herrschenden Diskurs und seine Interessen zu reproduzieren oder sogar zu verschärfen. Dies kann man am Beispiel der Tätigkeiten der Abteilung für „Soziologie der Sicherheit“ und der „wissenschaftlichen“ Unterstützung für die Todesstrafe sehen. In dieser Situation kriegen nur Ausgewählte den Zugang zur Wissensdistribution und nur sie haben die Möglichkeit sich nach außen zu äußern und „die Wissenschaft“ zu repräsentieren. Die Wissenschaft soll nicht nur Einzelnen vorenthalten sein, sondern legt es darauf an durch die Vermittlung von Wissen Viele zu erreichen, in der Hoffnung, dass der Nutzen daraus möglichst breit ist. Dadurch wird auch ein Beitrag an die Wissenschaft zurückgegeben und sie kann sich so weiter erstrecken, dass immer weniger Menschen ausgeschlossen bleiben.

Wissenschaftsspielerei mischt menschenverachtende Propaganda – stinkt es nicht?

Gerade in einem solchen Kontext ist es unglaublich, dass die Soziologiefakultät zum Zuhause antisemitischer, sexistischer, klerikaler, verschwörungstheoretischer, gewaltverherrlichender, nationalistischer und aller möglichen konservativ-wahnsinniger Ideen geworden ist. Egal wie viel Mühe man sich gibt, die Begrenztheit solcher Vorgehensweisen lassen sich nicht verbergen.

Unter diesen Umständen sind die Studenten, die Fakultätsadministration und alle schweigend Zuschauenden dafür mitverantwortlich. Die Studenten wie auch andere wissenschaftliche Mitarbeiter müssen sich darüber im klaren sein, welche Rolle sie spielen wollen. Ob sie als die Herren einer Quasi-Wissenschaft, Politik und Wirtschaft bedienen, oder selbst den wissenschaftlichen Prozess und ihr eigenes Schicksal gestalten wollen.
Kritisch bleiben - organisiert handeln!

Wie diese Gestaltung aussehen wird, müsst ihr selber entscheiden. Wir können euch aus unserer Erfahrung sagen, dass die Mitbestimmung von allen Beteiligten an der Universität und Transparenz die Basis bilden um die Prozesse bewusst beeinflussen zu können.

Organisiert euch weiter. Das kann und es hat euch schon die Möglichkeit gegeben gehört zu werden. Und dadurch sich nicht nur einfach zu schützen, sondern auch um Freunde zu gewinnen. Vergesst dabei aber nicht, dass diese Organisation auch korrumpiert werden kann und Versuche zur Spaltung derselben nicht ausbleiben werden. Das Gegenmittel gegen Korruption und Spaltung ist gerade Mitbestimmung und Miteinbeziehung aller und nicht nur verschiedener Ausgewählter. So soll auch keiner von der Diskussion über Probleme und Interessen ausgeschlossen werden. Diskussionen sind Voraussetzung für die Herausbildung einer eigenen Meinung, eines Konsens und gemeinsamen Handelns.

Wir als Soziologie Studierende in Deutschland unterstützen eure Aktivitäten. Wir sehen eure Forderungen mehr als gerechtfertigt an. Wir hoffen das ihr Erfolg haben werdet und euch nicht dem Druck beugt oder von Missverständnissen irritieren lasst. Die Personifizierung der Verhältnisse, sowie ein einfacher Wunsch nach neuen Gesichtern an der Fakultät, wird die grundlegenden strukturellen Probleme die euch belasten nicht beheben. Und deswegen – bleibt aktiv und gebt nicht auf!

Wir sind euch dankbar für euren Mut und sehen uns dadurch angeregt über unsere hiesigen Verhältnisse nachzudenken.

Mit solidarischen Grüßen
Studenten der Soziologiefakultät
Universität Bielefeld,
Deutschland